28.05.
Di 18:00
Museum Ludwig, Kinosaal
KunstBewusst, Vortrag

Abstraktion & Antisemitismus. Vortrag anlässlich der Neupräsentation der Sammlung für Gegenwartskunst

Prof. Dr. Stephan Grigat

Um was geht’s?

Die Entstehung der modernen Gesellschaft ist von der Ablösung personaler Herrschaft durch abstrakte Verhältnisse geprägt, die den Einzelnen als ebenso feindlich wie undurchschaubar entgegentreten. Der moderne Antisemitismus ist wesentlich eine wahnhaft-projektive Reaktionen auf subjektlose Herrschaft, auf Vermittlung und Abstraktion. In ihm wird der Versuch unternommen, das Abstrakte in einer wahnhaft-projektiven Reaktion auf die Moderne zu konkretisieren und in den Juden zu biologisieren. Der Hass auf das Abstrakte radikalisiert sich im Nationalsozialismus zum Vernichtungsfeldzug gegen die europäischen Juden.

Der Nationalsozialismus nahm neben den Juden auch den Zionismus ins Visier: als einen künstlichen Nationalismus, der nur als Agent abstrakter und zersetzender Kräfte agieren könne. Vor diesem Hintergrund soll diskutiert werden, wie der Zionismus vor dem Hintergrund von Walter Benjamins geschichtsphilosophischen Thesen zu verstehen ist, um abschließend die Frage zu stellen, was der von Adorno in Reaktion auf den Nationalsozialismus formulierte neue kategorische Imperativ in der gegenwärtigen Konstellation und angesichts der aktuellen Bedrohung des jüdischen Staates bedeutet.

Wer ist unser Gast?

Stephan Grigat ist Professor für Theorien und Kritik des Antisemitismus an der Katholischen Hochschule NRW und Leiter des Centrums für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) in Aachen. Er ist Research Fellow an der Universität Haifa und am London Center for the Study of Contemporary Antisemitism, Autor von „Fetisch & Freiheit: Über die Rezeption „Die Einsamkeit Israels: Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“ (Konkret 2014), Herausgeber von „Kritik des Antisemitismus in der Gegenwart“ (Nomos 2023) und Mitherausgeber von „Erinnern als höchste Form des Vergessens? (Um-)Deutungen des Holocaust und der Historikerstreit 2.0“ (Verbrecher 2023).

Bildcredits

Boaz Kaizman, Hannah Arendt – die Reise nach Jerusalem, 2018, Video, Farbe, Ton, Spieldauer: 21:00 min., © Boaz Kaizman, Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv, Köln// Porträtfoto: Prof. Dr. Stephan Grigat, privat