24.06. - 04.09.
Wallraf
Sonderausstellungen

Cellini-Goethe-Paffenholz

Ein Kunstbuch als Widerstand

24.06. - 04.09.
Wallraf Sonderausstellungen

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war ein großer Bewunderer des Renaissancekünstlers Benvenuto Cellini (1500–1571) und übersetzte nicht nur dessen Autobiographie ins Deutsche, sondern auch die Anleitung „Über die Grundsätze nach welchen man das Zeichnen erlernen soll“. Mitten im Zweiten Weltkrieg illustriert der Kölner Künstler und Kommunist Peter Josef Paffenholz (1900–1959) von Goethe übersetzte Cellini-Kunstbuch mit zwölf Holzschnitten, obwohl er seit Jahren von den Nazis mit Verhören, Hausdurchsuchungen und Berufsverbot drangsaliert wurde.

Entsprechend der Empfehlung des italienischen Meisters, sich beim Erlernen des Zeichnens dem Anatomiestudium zu widmen, zeigt Paffenholz einen Künstler beim Abzeichnen eines menschlichen Skeletts. Doch dieses Skelett wandelt sich in der Bildabfolge rasch vom anatomischen Modell zu einer Allegorie des Todes und steht damit in der Bildtradition des Totentanzes. Mit seinen Blättern illustriert Paffenholz also nicht nur das zeichnerische Ideal der Renaissance, sondern kommentiert die Herrschaft der Nationalsozialisten in einer gezielten Indirektheit, die bis heute nachhallt.

Bildcredits

Peter Joseph Paffenholz, Illustration zu Cellinis Traktat, Bildausschnitt, Köln 1940, Seite 15, Holzschnitt, Privatbesitz, Kölnische Bibliotheksgesellschaft, vormals Bibliophile-Gesellschaft Köln; Foto: Stanislaw Rusch