05.10.
Di 19:00
Museum Ludwig, Kinosaal
KunstBewusst, Vortrag

„Ein voller Erfolg der Luftwaffe“ – Guernica: umstrittenes Gemälde, bereinigte Geschichte

Hubert Brieden

Nur einmal war das Gemälde Guernica in Deutschland im Original zu sehen. 1955/56 in München, Köln und Hamburg im Rahmen der Ausstellung „Picasso 1900 – 1955“. Erstmals nach der NS-Diktatur war es möglich, das Schaffen diese berühmten Künstlers umfassend kennen zu lernen, dessen Werke die Nazis als entartete Kunst stigmatisiert hatten. Mehr als 300.000 Menschen besuchten die Ausstellung. Besonders vor dem Bild mit dem Namen einer baskischen Kleinstadt drängelten sich die Kunstinteressierten, waren fasziniert, entsetzt oder fühlten sich in ihren Vorurteilen bestätigt. Mit dieser Ausstellung habe Picasso wieder „die deutsche Bühne“ betreten, heißt es. Doch gilt das auch für die Hauptattraktion? War Guernica jemals von der „deutschen Bühne“ verschwunden? Was war aus den Angehörigen der deutschen Luftwaffe geworden, die für das Flächenbombardement verantwortlich waren und es für einen „vollen Erfolg“ hielten? Während Picassos Guernica ein Massenpublikum erreichte, blieben die historischen Hintergründe weitgehend tabuisiert. Erst 20 Jahre später begann gegen viele Widerstände die Aufarbeitung der verdrängten Militärgeschichte.

Hubert Brieden ist Historiker und Autor mit einem Arbeitsschwerpunkt auf den Themengebieten Antisemitismus und Militärgeschichte. Zu seinen Publikationen zählen u.a.:

  • Ein voller Erfolg der Luftwaffe – Die Vernichtung von Guernika, Guernica am 26. April 1937, Geschichte und Gegenwart eines Kriegsverbrechens, Ausstellung 27.10. – 25.11.2016,
    Institut für Anglistik, Amerikanistik und Romanistik der RWTH Aachen
  • Kriegsfolgen – Gernika (Guernica)/Bizkaia und Wunstorf/Region Hannover – Über den Umgang mit der Militärgeschichte in Deutschland und Spanien, Hrsg. Arbeitskreis Regionalgeschichte, Neustadt am Rübenberge 2017
  • Luftwaffe, Judenvernichtung, totaler Krieg – Guernica, Łomża, Warschau, Coventry …, Hrsg. Arbeitskreis Regionalgeschichte, Neustadt am Rübenberge 2010
Bildcredits

Abbildung: Ruinen von Gernika 1937; Quelle: Archiv Arbeitskreis Regionalgeschichte