19.06. - 03.10.
Museum Ludwig
Sonderausstellungen

Vor Ort: Fotogeschichten zur Migration

Fotografien in Retrospektive

Fotografien von Köln und weiteren Städten des Rheinlands zwischen 1955 und 1989 machen den stetigen Wandel durch die Bewohner*innen sichtbar. Die Fotogeschichten von Arbeitsmigrant*innen sind dabei kaum in das öffentliche visuelle Gedächtnis der Städte eingegangen. In der Ausstellung im Museum Ludwig stehen daher erstmals Privatfotografien im Mittelpunkt. In Interviews geben ihre Leihgeber*innen über ihre vielfältigen Geschichten Auskunft. Sie erzählen über das Leben in der Stadt und wie sie durch ihre Einwanderung belebt wurde. Ihre privaten Fotografien zeigen auf, wie Straßen, Häuser, Geschäfte, Restaurants und Parks zu Trägern von Erinnerung und zum Teil der Stadtgeschichte werden. Die Ausstellung thematisiert die Rolle der Fotografie in diesem Zusammenhang. Sie kombiniert diese neuen und überraschenden Stadtansichten mit den Fotografien urbanen Lebens von Chargesheimer, Heinz Held, Candida Höfer und Ulrich Tillmann aus der Sammlung des Museum Ludwig und ergänzt sie um Aufnahmen von Christel Fomm, Gernot Huber, Guenay Ulutuncok und anderen. Jenseits der flüchtigen Erfahrungen des Lebens in der Stadt zeigen die Fotogeschichten von Migration, auf welch vielfältige Weise man sich in einer neuen Stadt verorten kann.

Die Ausstellungsidee geht auf die Architekturhistorikerin und Gastkuratorin Ela Kaçel zurück. Sie entdeckte in verschiedenen Publikationen der Stadt Köln und der Wohnbaugesellschaft GAG (Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau) Fotografien von Wohnanlagen der 1950er und 60er Jahre, die herausgehobene Wahrzeichen des „Neuen Kölns“ sind. Zugleich waren die Hochhäuser für Arbeiter*innen gedacht, die im Rahmen der sogenannten Anwerbeabkommen der damaligen Bundesrepublik vor allem mit Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und der Türkei nach Köln gekommen waren. In den viel veröffentlichten Aufnahmen der neuen Stadtviertel sind die markanten Wohnblocks als prägende architektonische Erscheinungen präsent. Die ikonisch gewordenen Fotografien haben Stadtgeschichte geschrieben.

Als Pendant zu diesen menschenleeren Aufnahmen der „Türme der Gastarbeiter“ entdeckte Ela Kaçel in Privatalben Selbstaufnahmen der Bewohner*innen, die sich vor und in den Gebäuden fotografieren ließen. Dies führte sie zur Frage, wie Arbeitsmigration im urbanen Raum in öffentlichen Fotografien zwischen 1955 und 1989 repräsentiert wird und wie sich Migrant*innen selbst als Stadtbewohner*innen fotografierten. Mit den großzügigen Leihgaben der Stadtbewohner*innen und ihren Interviews wird es nun möglich, die vielfältigen Geschichten über ihr Ankommen in Köln und im Rheinland zu erzählen, die, obwohl Teil der Stadtgeschichte, bislang noch nicht in sie eingegangen sind.

Das Ausstellungsprojekt ist eine Kooperation mit DOMID/Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. Kuratorische Beratung durch Manuel Gogos und Aurora Rodonò.

Kuratorinnen: Ela Kaçel (Architekturhistorikerin und Gastkuratorin) und Barbara Engelbach (Kuratorin)

Die Ausstellung wird unterstützt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, den Landschaftsverband Rheinland und die GAG Immobilien AG.

Bildcredits

Ali Kanatlı mit einem Freund am Aachener Weiher, Köln, 1965; © DOMiD-Archiv, Köln