KunstBewusst

Die renommierte Vortragsreihe der Freunde des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig e.V. „KunstBewusst“ hat in den vergangenen Jahren Kunsthistoriker*innen, Kunstschaffende und Intellektuelle zu Themen rund um Kunst, Kultur und Geschichte wie u.a. Marina Abramovic, Werner Herzog, Julia Stoschek, Bryan Ferry, Mithu Sanyal, David Hockney, Andrea Fraser, Marina Weisband, Volker Manuth, Helmut Draxler und viele mehr als Redner*innen im Wallraf und Museum Ludwig begrüßen dürfen.

EINTRITT: Der Eintritt zu den KunstBewusst-Veranstaltungen vor Ort ist für Mitglieder der freunde grundsätzlich kostenfrei. Nicht-Mitglieder zahlen einen Beitrag von 5€ (3€ ermäßigt) an der Abendkasse.

Die Vorträge, Filmvorführungen und Gespräche finden immer um 18 Uhr im Wallraf oder im Museum Ludwig statt. Im KunstfreundeSalon auf YouTube finden Sie regelmäßig Aufzeichnungen einiger Vorträge. Bei der Vortragsreihe haben auch Sie die Chance in anschließenden Fragerunden, ihr Interesse und Fragen mit den Referent*innen zu teilen.

Wir wünschen Ihnen vor Ort kunstbewusste Momente mit den freunden und freuen uns immer über konstruktive Kritik und Bewertungen in Form von Abonnements und Empfehlungen durch jeden Teilen-Button!

  1. 17.03.

    Yayoi Kusama
    Self-Obliteration #2, 1967
    Gouache, Stift, Pastell und Fotocollage auf Papier
    40,4 x 50,4 cm
    Sammlung der Künstlerin
    © YAYOI KUSAMA

    Im Rahmen der Sonderausstellung „Yayoi Kusama“ im Museum Ludwig wird der Experimentalfilm „Kusama’s Self-Obliteration“ gezeigt, begleitet vom deutschen Filmkritiker und Filmwissenschaftler Daniel Kothenschulte, der als Experte die Veranstaltung begleiten wird und uns thematischen Input zur Filmvorführung gibt. Platon hat uns den Mythos von den Kugelmenschen überliefert. Zur Freude der Götter hatten unsere Vorfahren Körper in der reinsten Form, die sie kannten, nämlich Kugeln. Mit zwei Armen und zwei Beinen, die herausragten konnten sie sich fortbewegen und sie besaßen gleich drei Geschlechter. Dadurch waren sie sehr mobil und stellten sogar die Vormacht der Götter in Frage. Das konnten sich diese wiederum nicht gefallen lassen und teilten die Menschen in zwei Teile. Diese Teilung in Mann und Frau schuf die moderne Sehnsucht nach Liebe, da jeder Mensch nur noch eine „halbe Kugel“ war, die unentwegt ihr passendes Gegenstück suchte. Auch Yayoi Kusama liebt die Kreisform, und wie mir scheint, möchte sie uns etwas von unserem Kugelleben zurückgeben, in dem sie uns mit Punkten überschüttet und uns in endlose Räume einlädt, in denen wir uns zugleich finden und verlieren. Ihr Thema seit den 60er Jahren ist die Selbstauflösung, die historisch mit einer globalen Sehnsucht nach Befreiung zusammenfiel. Zeitgleich mit der internationalen Fluxus-Bewegung und der aus Kalifornien in die Welt ausstrahlenden psychedelic movement, sorgte sie mit multimedialen Performances und Nackt-Happenings für Aufsehen. Kindheitserinnerungen an flackerndes Licht und Halluzinationen entwickelte sie zu immersiven, kollektiven Erfahrungen, die wiederum das Interesse eines jungen Experimentalfilmers weckten. Jud Yulkut, der Kusamas frühe Performances in den USA filmte, ist vor allem für seine Zusammenarbeit mit Nam June Paik bekannt, von dem das Museum Ludwig wichtige Werke besitzt. Die Vorführung von Yulkuts 23-minütigem Film „Kusama’s Self-Obliteration“ ist also auch eine Begegnung mit der blühenden, nach psychedelischem Ausdruck suchenden Filmkunst jener Zeit.   EINTRITT: Der Eintritt zu den KunstBewusst-Veranstaltungen vor Ort ist für Mitglieder der freunde grundsätzlich kostenfrei. Nicht-Mitglieder zahlen einen Beitrag von 5€ (3€ ermäßigt) an der Abendkasse. Eine Veranstaltung zum 20jährigen Jubiläum des Filmforum NRW.
  2. 26.03.

    Max Slevogt, Selbstbildnis auf der Terrasse von Neukastel (Collage), 1918/19, Öl auf Leinwand, Saarlandmuseum Saarbrücken, Moderne Galerie, Inv. Nr. NI 1896 (Foto: Raphael Maaß) // Max Slevogt, Das Gefolge des Bischofs von Salamanca, Vorzeichnung zu Benvenuto Cellini, um 1912, Tusche, GDKE, Landesmuseum Mainz, Inv. Nr. DL SL NL 2015/488 (Foto: A. Garth)

    Max Slevogt, gefeiert als der „König der Illustration“, zählt zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Doch was wäre ein Künstler ohne einen Verleger, der seine Vision versteht, fördert und verbreitet? Die Sonderausstellung „Auf zu neuen Werken!“ rückt erstmals die einzigartige, produktive Partnerschaft zwischen Slevogt und dem Berliner Verleger Bruno Cassirer in den Mittelpunkt – und bringt damit ein bislang wenig beleuchtetes Kapitel deutscher Kunst- und Verlagsgeschichte ans Licht.

    Der einflussreiche Cassirer, dessen Verlag das kulturelle Leben der Weimarer Republik entscheidend mitprägte, erkannte früh das Potenzial von Slevogts bildnerischem Erzähltalent. Zwischen den beiden entwickelte sich nicht nur eine intensive berufliche Zusammenarbeit, sondern auch eine persönliche Beziehung, die von gegenseitigem Respekt und kreativer Neugier geprägt war.

     

    Im Zentrum der Ausstellung stehen Slevogts innovative Illustrationswerke, die mehr als reine Buchkunst waren: Sie verbanden narrative Tiefe mit malerischer Virtuosität und prägten eine neue visuelle Sprache. Ob literarische Klassiker, moderne Dramen oder Märchen – Slevogts Handschrift verlieh ihnen eine neue Dimension.

    Der Großteil dieser Arbeiten erschien im Verlag Bruno Cassirer, der mit höchsten gestalterischen Ansprüchen publizierte. Dabei wurden neue Maßstäbe gesetzt: für Typografie, Layout und die Zusammenarbeit von Künstlern und Verlegern als schöpferisches Team.

     

    Wer ist unser Gast?

    Dr. Karoline Feulner leitet seit 2013 am Landesmuseum Mainz die Abteilung der Gemälde und Skulpturen und betreute bis zur sanierungsbedingten Schließung 2019 wissenschaftlich auch die Max Slevogt-Galerie auf Schloss Villa Ludwigshöhe in Edenkoben; Promotion über die Rezeption Albrecht Dürers im 20. Jahrhundert (2010). Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Mainz; Volontärin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Städel Museum in Frankfurt am Main. Dort u. a. Mitarbeit an Ausstellungen zu Max Beckmann (2011) und Albrecht Dürer (2013). Am Landesmuseum Mainz kuratierte sie u. a. die Sonderausstellungen: Ein Stück norddeutscher Himmel. Emil Nolde und die Künstler der „Brücke“ (2016), Ein Tag am Meer. Slevogt, Liebermann & Cassirer (2018); Hexenküche – Max Slevogts druckgrafische Experimente (2021); Blauer Aufbruch – Malerei der Quadriga nach 1945 (2023) oder Auf zu neuen Werken! Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer (2025). Forschungskooperation mit der Universität Mainz, der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer und dem Saarlandmuseum Saarbrücken zur Gründung des Max Slevogt-Forschungszentrums.

     

    Die Ausstellung ist eine Forschungskooperation des Landesmuseums Mainz (GDKE), dem Saarlandmuseum Saarbrücken, Moderne Galerie und der Landesbibliothek in Speyer (LBZ).

     

    EINTRITT: Der Eintritt zu den KunstBewusst-Veranstaltungen vor Ort ist für Mitglieder der freunde grundsätzlich kostenfrei. Nicht-Mitglieder zahlen einen Beitrag von 5€ (3€ ermäßigt) an der Abendkasse.

  3. 16.04.

    Andreas Endermann

    Worum geht’s?

    Künstlerinnen gibt es, seit es Künstler gibt, und doch erzählt unsere Kunstgeschichte bis heute vor allem von Männern. Das tradierte Geschichtsbild ist lückenhaft – was überliefert ist, gilt es häufig noch in Archiven, Randnotizen, Ausstellungslisten oder Nachlässen aufzuspüren. Um wieder zu einem vollständigeren Bild zu gelangen, ist also regelrechte Detektivarbeit nötig.

    Im Vorfeld der Ausstellung „Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter“ im Kunstpalast (25.9.2025 – 1.2.2026) wurde die Geschichte weiblicher Kunstschaffender in der Akademiestadt Düsseldorf im 19. und frühen 20. Jahrhundert untersucht – und damit ihr künstlerisches Wirken in einer Zeit, in der Frauen an der Kunstakademie nicht zum Studium zugelassen waren. Obwohl sie somit auf Privatunterricht angewiesen waren, kamen zahlreiche Kunstwerke und die Namen von rund 500 Künstlerinnen ans Licht. Es wurden auch Ausbildungsbedingungen, soziale Beziehungen und Netzwerke rekonstruiert. Der Blick auf Ausstellungsbeteiligungen zeigt zudem, wie präsent Künstlerinnen in ihrer Zeit waren – eine Sichtbarkeit, die sich weder in öffentlichen Kunstsammlungen noch in der kunsthistorischen Erzählung angemessen widerspiegelt.

    Der Vortrag eröffnet Einblicke in die Geschichte der Künstlerinnen in Düsseldorf und geht der Frage nach, wo sich ihre Spuren finden lassen.

    Wer ist unser Gast?

    Dr. Kathrin DuBois leitet die Abteilung Malerei bis 1900 am Kunstpalast und ist die Kuratorin der Ausstellung „Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter“. Sie studierte Kunstgeschichte, Neuere deutsche Literatur und Volkskunde in Köln, Bonn und Paris. Nach Tätigkeiten im Käthe-Kollwitz-Museum und im Museum Ludwig in Köln wurde sie 2010 Volontärin am Kunstpalast, wo sie in danach in verschiedenen Positionen tätig war. In ihrer Dissertation behandelte sie den früheren Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie Werner Heuser (1880-1964), die Arbeit wurde 2024 mit dem Paul-Clemen-Preis des Landschaftsverband Rheinland ausgezeichnet.

     

  4. Sigmar Polke, Pavillon Biennale Venedig, 1986, Silbergelatineabzug, 30,8 × 40,4 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, (c) The Estate of Sigmar Polke / VG Bild-Kunst, Bonn // © Meike Reiner

    Worum geht’s?

    Franziska Kunze, Sammlungsleiterin für Fotografie und Zeitbasierte Medien an der Pinakothek der Moderne München, beschäftigt sich in diesem Vortrag mit jenen Fotografien, die Sigmar Polke im Vorfeld seines Beitrags für den Deutschen Pavillon der XLII Biennale di
    Venezia schuf. Ausgehend von diesen Arbeiten werden die möglichen Synergieeffekte seiner fotografischen Bildproduktion auf andere künstlerische Medien nachvollzogen und diskutiert.

    Kooperation mit Anna Polke-Stiftung

     

    Wer ist unser Gast?

  5. 12.05.

    Worum gehts?

    Dieser KunstBewusst-Vortrag wird einen Einblick in das künstlerische Schaffen der Fotografin Evelyn Richter (Bautzen 1930 – 2021 Dresden) geben. Ihr Leben wurde von der deutsch-deutschen Geschichte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts geprägt.

    Verschiedene Fragen werden dabei aufgeworfen. Was bedeutete es für Richter, 1955 in der DDR den Beruf einer selbstständigen Fotografin zu ergreifen? Unter welchen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen konnte sie ihre freiberufliche Existenz führen, wie waren künstlerische Arbeit und Broterwerb vereinbar? Wer waren ihre Wegbegleiter*innen und Vorbilder? Exemplarisch werden Arbeiten vorgestellt, die Richters Weg von der Lehrzeit in Dresden, ihrem Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), ihre Tätigkeit als Fotojournalistin bis hin zu ihrer Lehrtätigkeit an der HGB zeigen.

    Wer ist unser Gast?

    Dr. Jeannette Stoschek, geboren 1964 in Köln, studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Romanistik in Köln und Rom. 1992-1995 arbeitet Stoschek als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bibliotheca-Hertziana Rom. 1998-1999 absolvierte sie ein wissenschaftliches Volontariat in der Staatsgalerie Stuttgart und wird 1999-2001 Stipendiatin Akademie Schloss Solitude. Von 2001 bis 2011 arbeitete Stoschek als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Graphischen Sammlung im Museum der bildenden Künste in Leipzig (MdbK). Seit November 2009 ist sie Leiterin des Evelyn Richter Archivs der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im MdbK und seit 2011 Stellvertretende Direktorin im MdbK.

     

  6. Save the date!

     

  7. 11.06.

    Save the date!

     

  8. Links: Yayoi Kusama in der Installation Aggregation: One Thousand Boats Show (1963), Gertrude Stein Gallery, New York, 1963
    Fotografiert von Rudy Burckhardt © VG Bild-Kunst, Bonn 2025/Prolitteris, Zürich // Rechts: Yayoi Kusama
    Anatomie Explosion -Happening auf der Brooklyn Bridge, New York, 14. August 1968 Getty Research Institute, Los Angeles Schenkung der Roy Lichtenstein Foundation im Gedenken an Harry Shunk und Janos Kender/Foto: Shunk-Kender © J. Paul Getty Trust

    Save the date!

     

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Bildcredits

Bendemann, Eduard Julius Friedrich; Die trauernden Juden im Exil (Psalm 137), Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud (WRM 1939, Köln) (Foto: © Rheinisches Bildarchiv Köln, 2006, rba_d000114) // Annette Hiller / LVR-ZMB// Boaz Kaizman, Hannah Arendt – die Reise nach Jerusalem, 2018, Video, Farbe, Ton, Spieldauer: 21:00 min., © Boaz Kaizman, Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv, Köln // Lemohang Jeremiah Mosese; FR/Lesotho/DE/Katar/Saudi-Arabien 2025; OmeU; 90 min. // 1969: Ludwigs mit Frau Lutzeyer in New York © Peter und Irene Ludwig Stiftung //